Die ersten Reissäcke sind da! Ein Dank an Rapunzel

Wir wollen einen mobilen Garten in Bäckerkisten, Reissäcken und Tetrapacks pflanzen und damit Brachflächen in der Stadt sinnvoll zwischennutzen. Doch woher soll man diese Pflanzbehälter nehmen? Neu kaufen kommt natürlich nicht in Frage, erstens viel zu teuer, zweitens möchten wir diesen Dingen natürlich gerne ein zweites, grünes Leben schenken – also recyceln.  Aber wo fallen solche Mengen, die wir brauchen, an? Roland, einer unserer Aktiven, kam dann auf die Idee, doch einfach bei einem Hersteller anzufragen. Und da er und Claudia Schindler, Außendienstmitarbeiterin von Rapunzel, sich bereits auf der ein oder anderen Veranstaltung über den Weg gelaufen waren – warum nicht bei Rapunzel? Gesagt, getan.

Wer in Deutschland Wert auf biologisch angebaute und fair gehandelte Lebensmittel legt, der kommt um Rapunzel kaum herum. Bereits 1974 leisteten Joseph Wilhelm und Jennifer Vermeulen wichtige Pionierarbeit in der Biobranche, noch lange bevor die Idee von ökologischer Landwirtschaft in das kollektive Bewusstsein gedrungen war. Sie haben die ersten Fair-Trade Projekte mit türkischen Bauern gegründet und sind in den letzten drei Jahrzenten stets ihren Idealen treu geblieben. Inzwischen beschäftigt der in Legau im Allgäu gelegene Betrieb mehr als 300 Mitarbeiter und hat einen Umsatz von über 100 Millionen Euro. Aus den vereinzelten Kooperationen mit türkischen Bauern sind mittlerweile 15 Bio-Anbauprojekte in 11 Ländern weltweit geworden.

Da passt natürlich unser Konzept, der Stadtbevölkerung ökologische Lebensmittel näherzubringen und sie zum selbergärtnern zu animieren gut zur Firmenphilosophie. Prompt wurden wir von Brigitte Nusser, der Produktionsleiterin von Rapunzel, eingeladen, buchstäblich so viele Reis- und Jutesäcke abzuholen, wie wir tragen können und uns bei der Gelegenheit den Betrieb anzusehen. Am 20. März 2012 packten wir also einen Van voll mit sieben aktiven Bluepingus und fuhren bei strahlendem Sonnenschein ins Allgäu. Wir wurden von Frau Nusser und Frau Heusinger, Verantwortliche für die Betriebsführungen, herzlich in Empfang genommen und durften zunächst unseren Hunger im „Casino“ stillen, dem firmeneigenen Biorestaurant für Mitarbeiter und die Öffentlichkeit. Das Menu aus Gemüsesuppe, vegetarischen Bärlauchküchle mit Frischkäsesauce und Gemüse, Salat vom großen Salatbuffet und Kokosmilchreis als Nachtisch ist zwar mit neun Euro nicht gerade günstig, aber Qualität (natürlich alles bio und frisch zubereitet) und Geschmack überzeugten uns. Anschließend sahen wir uns im Rapunzel Kino (!) den 15-minütigen Film über das Unternehmen, dessen Geschichte, Philosophie und Projekte an. Doch das Kino wird nicht nur für PR-Zwecke genutzt sondern steht auch der umliegenden Bevölkerung zur Verfügung. Hier werden ausgewählte Dokumentarfilme zu Themen wie Ernährung und Ökologie gezeigt.

Auch gibt es auf dem Gelände ein Rapunzel-Museum, das dem Besucher ermöglicht, interaktiv zu erkunden, was genau hinter den Begriffen Bio und Fair-Trade steht und wie das Unternehmen diese praktisch umsetzt. Besonders interessant fand ich hier die Möglichkeiten, sich detailliert über die Zusammenarbeit mit Bauern weltweit zu erkundigen. Zum Schluss konnten wir uns noch durch einen kleinen Teil der Produktpalette verköstigen und altbekannte Trockenfrüchte wie ungeschwefelte Feigen und Aprikosen, Nüsse aber auch so etwas außergewöhnliches wie Aprikosenkerne probieren, die eine wunderbare Alternative zu Mandeln sind.

Zu guter Letzt führte uns Eva Heusinger durch die Produktion, erklärte dabei mit Bildtafeln am Beispiel von Olivenöl anschaulich den Unterschied zwischen konventioneller Herstellung und der ökologischen Herangehensweise. Es wird dabei besonders viel Wert gelegt auf die schonende, also kühle und mit wenig Druck ausgeübte, Verarbeitung des Rohmaterials.

Rapunzel spendete uns über 600 Säcke, eine Vielzahl von Jutesäcken und etwa zehn sogenannte Big-Bags, die 800 Liter fassen. Dafür, und für diesen informativen Tag, möchten wir uns recht herzlich bedanken!

Eure Bluepingu-Stadtgaertner

 

Comments are closed.