Kochworkshop Afghanistan

Letzten Sonntag (28.09) haben wir bei Temperaturen über 30 Grad die wunderbare
Küche Afghanistans entdeckt. Das Wetter hat nur dafür gesorgt, dass wir
das Gefühl hatten, ganz besonders authentisch unterwegs zu sein.

Durch viele Menschen mit afghanischen Wurzeln in Deutschland findet man
heute sehr leicht auf den eingängigen Rezepte-Sammlungen-Seiten im
Internet Afghanische Rezepte.
Verrückterweise finden sich dort meistens Rezepte mit Fleisch. ich
erkläre mir das so, dass man hier eben sich vor allem an die besonderen
Festtage erinnert und die „tollen“ Rezepte teilen will. in vielen Blogs
habe ich gelesen, das afghanische Geflüchtete für ihre deutschen Helfer
oder Freunde gekocht haben. Und da Gastfreundschaft sehr viel gilt,
kocht man natürlich eine Festspeise wie Kabuli mit Lam oder
Hühnerfleisch.

Dabei ist die Alltagsküche in Afghanistan viel Gemüsehaltiger. Einfach
aus Kostengründen. Jeden Tag Fleisch können sich nur Wohlhabenden
leisten. Daher ist es also eigentlich nicht besonders schwer, vegane
Gerichte zu finden. Man muss nur stöbern.

Die Afghanische Küche ist vor allem von zweien ihrer Nachbarn sehr
beeinflusst: Nord-Indien und Persien. Je nachdem, wo man in Afghanisatan
ist, überwiegen die Einflüsse und formen das Essen. Typisch sind die
grossen Lehmöfen (in Indien Tandoor) in dem das Brot gebacken wird, aber
auch lange Spieße mit Gemüse und Fleisch. Typisch sind auch die
Eintopfgerichte in denen die Zutaten im eigenen Saft geschort werden. Zu
fast allen Gerichten reicht man Palaw – einen lockeren, würzigen Reis –
und Brot. Das Brot entspricht dem syrischen Fladenbrot, das wir beim
Syrien Kochkurs gemacht haben und daher packe ich einfach das Rezept
hier nochmal dazu. Zu allem wird auch eine säuerliche Quarksoße
gereicht. Erfrischen und kühl zu den reichhaltigen Speisen. Den Namen für die Soße habe ich mir nicht ausgedacht – ganz

Afghanistan ist für uns Europäer ein schwierig zu verstehendes Land –
wer sich aber die Mühe macht, Land und Menschen kennen zu lernen, wird
seine Vorurteile vielleicht in Frage stellen. Ich bin beileibe kein
Kenner – aber mich hat die Geschichte des Landes beeindruckt.
Strategisch wichtig an der Schnittstelle zwischen Zentral- und Süd-Asien
gelegen wurde es immer wieder erobert, immer wieder in Kriege
verwickelt. Mir schwirrte bald der Kopf, so viele Herrscher haben schon
ihre Besitzansprüche geltend gemacht. Die Menschen selbst sind ein
Spiegel dieser lebhaften Geschichte: heute exisitieren etwa 200 bekannte
Sprachen und Dialekte. Die Nationalhymne wird in der Offiziellen
Amtssprache Patsche gesungen – die jedoch nicht gesprochen wird. Der
Großteil der Menschen spricht Persisch. Etwa 42% der Einwohner sind
Patschuten, eine Ethnie, die man historisch auch als Afghanen
bezeichnete. Daher der Name des Landes. Etwa 27% sind persisch-stämmige
Tadschiken. In Afghanistan werden sie auch als Parsivan „die Persisch
Sprecher“ bezeichnet. Die beiden nächstgrößten Ethnien sind mit etwa 9%
die Hazara, die von den Mongolen abstammen und mit ebenfalls 9% die
Usbeken. Aus rein kulinarischer Sicht haben die Usbeken eine ganz
eigenen, wundervolle Küchentradition. Aber das ist ein anderes Thema und
vielleicht mal ein anderer Kochkurs.

Die Küche wird von einige klaren Gewürzen dominiert: Kreuzkümmel,
Koriandersaat und Kardamom. Das nationalgetränkt ist schwarzer Tee mit
Kardamom – was ich sehr lecker finde.
Die Gerichte gewinnen ihre komplexen Geschmäcker durch Kombinationen
und die Art der Zubereitung: schmoren, schichten, dämpfen – oft alles
nacheinander im selben Gericht.

Das afghanische National Gericht ist Kabuli – ein in Lagengekochter
Reistopf, denn dann gestürzt wird und das prachtvolle Mittelstück für
ein Fest bildet. Das Rezept ist aufwendig – aber das Ergebnis jede Mühe
wert.

Viel Spaß beim Nachkochen!

Hier könnt ihr ein paar Schnappschüsse vom Workshop sehen:

 

Die Rezepte zum Nachkochen findet ihr hier, oder auch  in unserer Rezeptliste:

Afghanischer Seitan Topf – Veganes Kabuli
Auberginen auf Afghanische Art – Badenjan Borani
Elefantenohren – goash-e-feel – Afghanisches Gebäck
Kartoffeln in Tomatensoße – Katschalu – Afghanistan
Linseneintopf Afghanisch
Nudeltaschen mit Poree Füllung – Afghanische Ashak
Quark Suppe – Afghanistan
Syrisches Fladenbrot
Tschakka – Afghanische Quark Soße

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