Kochworkshop Israel

Nachdem wir ja zum ursprünglich geplanten Termin vor zwei Wochen eingeregnet waren und verschieben mussten, hatten wir letzten Sonntag dafür zur Belohnung fürs warten wundervollen Sonnenschein. Der Garten hat sich in seiner schönsten, herbstlichen Pracht gezeigt und wir haben uns ganz der jüdischen Küche gewidmet.

Typisch für die Küche ist, dass es eben vielleicht gar nichts ganz Typisches gibt. Juden lebten und leben überall auf dem Globus und sind von ihrer jeweiligen Heimat geprägt und beeinflust. Nach Israel haben sie die Gerichte und Geschichten ihrer Vorfahren und Herkunftsländer mitgebracht. Damit ich eine möglichst große Bandbreite vorstellen konnte haben wir uns daher also durch Gerichte wie „Vlaischklösse nach dem Rezept der rumänischen Großmutter“ bis hin zum Jemenitischen Brot gekocht. Ein besonderes Highlight für alle waren der vegane Gefilte Visch und der Zimmes – ein Möhren-Eintopf der traditionell zum Neujahrsfest gegessen wird.

Meine Liebe für die kulinarische jüdische Geschichte geht viele Jahre zurück, auf den Besuch eines kosheren Restaurantes in Prag mitten in der Josephsstadt. Später habe ich mit Kollegen mal ein Fest der Religionen ausgerichtet und dort meinen ersten Zimmes gegessen. Und mir zu Weihnachten mein erstes Kochbuch gewünscht. Das dann picke-packe voll war mit den Geschichten der Tante Sowieso und der Großmutter XY und deren Rezepten. Liebevoll zusammengetragen und vorgestellt. Gerade erst in neuer Zeit ist das wundervolle Buch „Jerusalem“ von Ottlenghi und Tamimi erschienen. Beide in Jerusalem geboren und aufgewachsen. Der eine Jude, der andere Moslem. Beide nach London ausgewandert und Koch geworden. Dort haben sie sich kennen gelernt und zusammen ein wundervolles Buch über Tradition, Kultur und Geschichte gemacht – voll mit herrlichen Fotos und Rezepten. Nicht vegan – aber heh – man kann nicht alles haben. :-)

Das israelische Kernland umfasst 22.380 km, weitere 6.800 km sind besetztes Land. Von den etwa 8 Millionen Einwohnern sind ca. 75% Juden, 20% Muslime und 4,5% Bahai. Wenn ihr noch nie von der Weltreligion Bahai gehört habt – besucht sie zumindest mal im Internet. Ich habe den Tempel in Deutschland (In der Nähe von Wiesbaden) besucht und wundervolle Menschen kennen gelernt. Der wichtigste Tempel der Gemeinschaft steht in Tel Aviv. Es gibt etwa 5 Millionen Bahahi weltweit und einer der Glaubenssprüche ihres Gründers lautet „verkehrt mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht“. Das wäre fein, wenn das überall so wäre.

Der Name Israel leitet sich von der sogenannten Merenptah Stelle aus dem Jahr 1211 v. Chr. her auf dem „ein Volk aus dem Lande Kanaan“ genannt wird. Von der heutigen Bevölkerung haben etwa 26% ein bereits in Israel geborenes Elternteil – sind damit also bereits Israeli der dritten Generation. Etwa 32% der jüdischen Bevölkerung gelten als „traditionell“, was bedeutet, sie halten die Speisevorschriften und weitere Traditionen ein – wobei jedoch ein recht modernes Leben gelebt wird. Gut 46% der Juden in Israel lebt ein eher säkulares – also nicht sehr religiös geprägtes Leben. 15% gelten als orthodox – also streng gläubig, etwa 7% sogar als ultra-orthodox.

Ich habe beim Kochkurs versucht, koshere Speisevorschriften zu erklären, aber wohl eher für Verwirrung gesorgt. 😉  Wer das ganze Thema über die reinen Rezepte hinaus jetzt spannend findet und mehr nachlesen möchte, hier.

Die wichtigste Botschaft von allen: Vegan ist kosher. Es ist auch halal. Und passt zu allen christlichen, hinduistischen oder sonstigen Speisevorschriften. Vegan ist das Essen der Liebe.

In diesem Sinne Shalom und viel Spaß beim Nachkochen.

Hier sind einige Schnappschüsse von dem Kochworkshop:

Die Rezepte zum Nachkochen findet ihr hier, oder auch  in unserer Rezeptliste.

 

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